Unter dem Motto “Alles hat seine Zeit” aus dem Prediger3, 1+3, weihte der Stuttgarter Prälat Ulrich Mack, am Samstag, 25.April 2009, die neue evangelische Kirche Mönchfeld ein.
Gemeinsam mit der Zuffenhäuser Dekanin Wiebke Wähling und der Mönchfelder Pfarrerin Jutta Maier, feierte die Mönchfelder Kirchengemeinde sich und ihr neu gestaltetes Gotteshaus.
In einem 105 Minütigen Festgottesdienst mit anschließend weiteren 30 Minuten Festreden und Grußworten, unterstrichen die Mönchfelder einmal mehr ihre Ausdauer und Standhaftigkeit. Eine 10 Jahre währende Zeit des Planen, Diskutieren, Verwerfen und Ausführen fand ihren gelungen Abschluss. Musikalisch umrahmt, an Orgel und Klavier mit Kantorin Jutta Müller und dem Englischhornbläser Frank Massoth, konnten sich die Festgäste dieser Zeit zurückbesinnen. “Viele Steine wurden abgetragen und zerstört, nach dem Umbau ist es nun an der Zeit, Steine wieder zu sammeln”, so Dekanin Wähling in Ihrer Schriftlesung.
Seine Predigt begann Prälat Ulrich Mack mit einem Versprechen. Angesichts der übervollen Kirche versprach er, sobald ein Schreiben der Gemeinde eingehe, mit der Bitte um Unterstützung für eine Vergrößerung der Kirche, sofort wieder zu kommen. Mit einem Sinnbild aus Prediger Salomo gedachte er auch noch einmal dem gefallenen Kirchturm und machte klar, “die Türme unseres Lebens stehen nicht ewig, Alles hat seine Zeit”. Er appelierte, immer, besonders aber in diesen Zeiten, aufeinander zu achten und zu sorgen. Zwischendecken unseres Lebens, wie auch die Zwischendecke im neuen Gotteshaus, sind ein bindendes, kein trennendes Element.
Festgottestdienst ev.Kirche Mönchfeld_250409
Bevor es zum gemütlichen Teil am Grill ging, führte Kirchengemeinderatsmitglied Felix Müller galant durch die Reihe der Festredner.
Die Vorsitzende des Kirchengemeinderates, Ulrike Bohn, eröffnete, gefolgt von Michael Föll, 1.Bürgermeister der Stadt Stuttgart, Bezirksvorsteher Bernd-Marcel Löffler, den Umbau betreuenden Pfarrer Karl-Eugen Fischer, die Katholische Kirchengemeinde Mönchfeld, vertreten durch Herrn Jakob, Schuldekan Manfred Scholl, Pfarrerin Sander, als Vertreterin der Mönchfelder Muttergemeinde Mühlhausen. Die evangelische Nachbargemeinde Freiberg brachte gar noch ein eigens getextetes Ständchen zum Besten, bevor Architekt Martin Eckert symbolisch einen gebackenen Schlüssel an Frau Bohn und Frau Maier überreichte und damit das Haus seiner Bestimmung übergab.
Festaltar mit Gaben zur Einweihung
Festaltar, Pfingsfenster und neue Fahne
Stahlhartes Beinkleid
Das war eine Aktion. Nach 3 Stunden und 50 Minuten krachte er endlich zur Erde!
Die Rede ist vom Mönchfelder Kirchturm der evangelischen Kirche.
Samstag, 07.Februar 2009. Um 15 Uhr war Sprengung Nummer 1 erfolgreich gezündet. Doch, außer einem lauten Knall und einer kleinen Rauchwolke konnten die zahlreich erschienenen Zaungäste nichts erkennen. Der Turm stand nach wie vor wie eine Eins! Eilig kamen der Sprengmeister und sein Team herbei, doch außer einem eingerissenen Eck hielt der Stahl seinen Beton fest. Eigentlich hätte hier ein Keil gesprengt werden sollen, um in einer direkten 2.Sprengung dann den Turm fallen zu lassen. Aber der Keil war nur zu 60% gesprengt.
Die Arbeiter machten sich nun daran, ein zweites Eck mit Bagger und Schweißbrenner frei zu bekommen. Die zweite Sprengung wurde durchgeführt, mittlerweile war es halb fünf. Es knallte, es rauchte - und der Turm stand wie eine Eins!
Mittlerweile war der Keil so gesprengt, dass eigentlich der Turm hätte fallen sollen. Doch die Stahlträger der verbliebenen Hinterwand und zweier Ecksäulen dachten nicht daran nachzugeben. Wieder war das Spreng- und Abrissteam gefragt. Der Bagger riss die 3 .Ecke ein und versuchte mit seiner PS-Kraft, den Turm zum Umfallen zu bewegen - keine Chance. Ein letztes Mal war der Sprengmeister gefragt, er bereitete vor und gegen 18 Uhr knallte es, mittleweile schon Dunkel, zum Dritten Mal - aber - Sie können es bereits ahnen - ein dumpfer Knall, eine große Staubwolke - und der Turm stand wie eine Eins!
An dieser Stelle sollten sich vielleicht doch einnmal alle kirchlichen Vertreter Gedanken machen, wer hier welche Zeichen gesendet hat.
Erneut stemmte sich der Bagger mit seiner gesamten Kraft gegen den Turm, dieser hustete noch nicht einmal. Mit seinem Meisel hämmerte er sich nun in eine der noch verbliebenen Stahlbetonwand und dann, es war mittlerweile finster, der Regen prasselte herab, hörte man um 18.45 die ersten, krächzenden Töne. Dann endlich, um 18.50 Uhr wankte der Turm und fiel unter lautem Getöse zu Boden. Da liegt er nun - fast unversehrt.
Durch die Wucht des Aufpralls hat es die oberen 10 Meter zertrümmert, die restlichen 30 Meter liegen fast unversehrt am Boden. Selbst der Balkon des nun ehemaligen Kirchturms ist noch am Stahlbetonturm fest verankert!
Dieser Tag wird nicht nur in die Geschichte der evangelische Kirchengemeinde Mönchfeld eingehen, dieser Tag bleibt allen Schaulustigen in Erinnerung!
Da liegt er!








